Benutzer Anmeldung

Ich hab hier nun schon lange nicht mehr selbst geschrieben, und wie ein jeder gemerkt hat ist für die schönen Fotos eh unser Oberpaparazzo Helmut verantwortlich. Doch nun haben sich die Eindrücke der letzten Reise ein wenig gesetzt, und so raffe ich mich auf, auch mal wieder etwas zu schreiben, zumal der Oberpaparazzo ja über unsere wahre Mission, wohlgemerkt auf meine ausdrückliche Anweisung, nix rauslässt.

Wer nun meint, ich würde den Vorhang hier endgültig lüften, den muß ich aber auch entäuschen. Nur so viel, dass es sich um einen Film handelt an dem wir arbeiten, hat wohl inzwischen jeder unserer geneigten Leser verstanden. Und dass es kein Kurzfilm wird klärt sich ja schon allein durch den scheinbar grenzenlosen kinematografischen Aufwand den wir hochoffensichtlich betreiben.

Seit wir nun quer durch die Alpen schießen, von einem wunderbaren Ort zum anderen, haben wir viel erlebt. Doch die letzten Tage in den Zentralalpen haben wohl allem vorangegangenen die Krone aufgesetzt. Ein vier Tage andauerndes Wetterfenster mit feinstem Sonnenschein und wenig Wind ermöglichten uns mit allen drei Steinadlern voll anzugreifen. Ein Tag Vorbereitung vor Ort, ein Erkundungsflug mit dem Gleitschirm,

Paul Klima mit Gleitschirm Ozone Geo 3 m ortler

viele Gespräche mit den lokalen Entscheidungsträgern reichten um gut aufgestellt zu sein.

Der Fleiß des ersten Tages ermöglichte sogar spontan noch einem Abstecher in's Land der bleichen Berge zu machen um dort einen richtig aufwändigen Flug mit der Adler - Onboardkamera in Angriff zu nehmen, da der Helikopter für die Viertausenderralley eh erst für Tag Drei gebucht war.

Ein kleiner Schreck zum Abschluß des Tages blieb uns nicht erspart. Nach einem gewaltigen Flug verlor unser gefiederter Kameramann die Orientierung und kehrte nicht zu mir zurück. Gefolgt von einer anstrengenden Skiabfahrt in äußerst anspruchsvollem Gelände kämpften wir uns durch den Stau am "Bettenwechseltag" und verfolgten unseren Kameramann, dessen Ortung dank unserer wunderbaren GPS Sender mittlerweile höchst effizient von statten geht. Trotz aller Eile machte zuletzt ein 30-minütiger Aufstieg mit dem Tourenski alle Hoffnung zunichte den Adler noch vor Einbruch der Dunkelheit einzuziehen. Adlerkind musste also ganz allein im dunklen Wald übernachten und Helmut und ich machten uns nach einer kurzen Nacht noch vor Anbruch des Tages wieder an den Aufstieg.

Das Filmmobil in der Nacht

Nach einer halsbrecherischen Kraxelei im Gebirgswald hatte ich dann gegen Acht Sichtkontakt zu Bruno, der sich nach drei kurzen Überflügen sichtlich erleichtert um die Bäume in Richtung meines Handschuhs zauberte.

Tiertrainer Paul Klima und Steinadler Bruno

Auch der Falkner war leicht geschafft, aber erleichtert :-)

ohne Worte

Mit einem halben Tag Verspätung waren wir also bereit für neue Höhenflüge.

im Helikopter über dem Ortler

Der Blick aus dem Helikopter über den noch vor 100 Jahren höchsten Berg Österreichs reicht bis weit in die Westalpen. Was keiner für möglich gehalten hätte, Hera, die jüngste und unerfahrenste aus unserem Team überhöhte den Gipfel und erreichte mit rund 4200 Metern ihre bisher größte Dienstgipfelhöhe. Mit einem "Flügelschlag" waren somit alle Diskusionen über ihr fliegerisches Können beendet.

In eineinhalb Tagen arbeiteten wir nun eine wahre Flugorgie ab. Am lezten Tag schafften wir es tatsächlich den Helikopter vier mal zum Tanken zu schicken. Was erkennnen lässt mit welchem Fleiß und welcher Freude unsere Adler im Reich der Gletscher rumkurbelten. Treffen mit den lokalen Adlern blieben abgesehen von ein wenig harmlosem Muskeln Zeigen ohne Folgen und auch das örtliche Bartgeierbrutpaar ließ unsere junge wilde Adlerdame gewären, als sie mitten durch das in der Thermik kreisende Pärchen kreuzte.

Gletscher am Ortler aus dem Helikopter

Bis zu einer Stunde begleiteten wir die Adler bei ihren Flügen. Angst oder Respekt vor dem Helikopter gibt es nicht. Der große laute Kamerad ist halt dabei, stören lassen sich unsere Adler von ihm nicht. Die Adler erlauben uns inzwischen bis auf rund 5 Meter an sie heranzukommen.

Am ersten Helikoptertag durften wir unseren alten Hasen Sky über ca. 5 Kilometer in gleichbleibendem Abstand auf einem Streckenflug begleiten.

Steinadler Hera aus dem Helikpter auf 4200 Meter über dem Ortler

Das sind auch für mich als Pilot und Vielflieger besondere Momente. In diesen Tagen stand mir mehr als ein mal das Wasser in den Augen. Diese Vertrautheit mit den Adlern zu spüren hat mich emotional zutiefst bewegt. Speziell die Tatsache dass sich die Adler in solchen Höhen und vor allem in absolut unbekanntem Gelände von mir auch auf sehr große Distanzen sofort einziehen lassen ist ein unglaublicher Vertrauensbeweis, sie könnten ja sonst wo hinfliegen wenn sie wöllten.

Und der tollste Sender bringt nichts wenn sich der Adler nicht einziehen lassen möchte.

Aber bei jeder Landung zeigen mir die Jungs und auch das wilde Mädel ihre Freude über einen wunderbaren Flug und auch darüber mich nach all der Anstrengung wieder zu haben. Ich liebe diese Tiere von ganzem Herzen und ich liebe meine Arbeit.

------------------------------------

Diesen Worten kann sich ein zurückhaltender Paparazzo nur uneingeschränkt anschließen! :-)

Sprache wählen

choose language

Marktplatz

Unsere Partner